Mit 28 Kilo Marihuana im Auto erwischt
Artikel vom 13.06.2012
Heilbronn - Die Tour mit 28 Kilogramm Marihuana im Kofferraum war eigentlich geschickt eingefädelt, dachten sie. Ein heute Angeklagter fuhr im Dezember 2011 auf der Autobahn einige Kilometer mit dem Wagen voraus, um seinen Kompagnon mit der Riesenmenge Rauschgift per Handy vor möglichen Polizeikontrollen warnen zu können.
Doch nachdem die 46 und 47 Jahre alten Männer mit dem Stoff bis Weil am Rhein gekommen waren, schlug die Polizei zu. Sie hatte nach einem Hinweis die Fahrt überwacht.
Fünf Jahre Haft stehen im Raum
Seit Mittwoch stehen die zwei Familienväter vor dem Heilbronner Landgericht, einer aus Heilbronn, der andere aus Stuttgart. Mit Handschellen wurden sie in den Gerichtssaal geführt. Und als Vorsitzender Richter Norbert Winkelmann später ein grobes, zu erwartendes Strafraster in dem Fall mit Telefonüberwachung und direkten Tatbeweisen für Rauschgiftschmuggel in den Raum stellte, schlug die Ehefrau des Heilbronner Angeklagten im Gerichtssaal die Hände vors Gesicht. Fünf Jahre Haft für ihren Ehemann, vier Jahre plus x für den offenbar untergeordneten Komplizen? Sie hatte Tränen in den Augen.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagten die Drogen im Raum Heilbronn und in der Schweiz gewinnbringend verkaufen wollten. Die Kammer stuft die Angeklagten bisher eher als Kuriere ein.
Abschiebung droht Beide Männer, die aus der Türkei stammen und schon Jahre in Deutschland leben, haben lange Zeit als Hilfsarbeiter Geld verdient oder sich mehr oder wenig erfolglos in Gastronomie oder Gerüstbau als Selbstständige versucht. Beide gaben an, selbst Drogen genommen zu haben, beide sprachen von Schulden in fünfstelliger Höhe, waren zuletzt arbeitslos.
Dass es in dem Verfahren um mehr als Haftstrafen geht, machte Richter Winkelmann deutlich. In Baden-Württemberg sei es üblich, dass ab einer Strafe von drei Jahren Haft bei Drogenkriminalität ausländerrechtliche Konsequenzen drohen – sprich die Abschiebung. cf


