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Das Grauen lebt weiter

Artikel vom 17.02.2013

Das Grauen lebt weiter Schauriges Ende auf dem Scheiterhaufen: Enrico De Gennaro, Leiter des Güglinger Römermuseums, berichtet über Fälle aus der Region.Foto: Steffan Maurhoff

Folter. Es ist unmöglich, eine Gänsehaut zu unterdrücken. Zu grauenvoll ist allein die Vorstellung von dem, was vermeintlichen Hexen angetan wurde. Etwa glühende Zangen, mit denen Frauen bei lebendigem Leib die Brüste herausgerissen wurden − Instrumente der Justiz aus einer Zeit, in der Europa sich bereits der Aufklärung zuwandte. Zu sehen sind sie in der Ausstellung "Hexen, Tod & Teufel: Der Fall Katharina Kepler und weitere Stationen der Hexenverfolgung" im Güglinger Römermuseum.

Prominent. Die Region war alles andere als ein weißer Fleck auf der Landkarte der Hexenjäger. Das bestätigte Museumsleiter Enrico De Gennaro bei einer Führung. Prominentestes Opfer war Katharina Kepler, die Mutter des berühmten Astronomen, die 1620/21 in Güglingen mit den schaurigsten Folterinstrumenten bekannt gemacht wurde. Die wohlhabende Witwe kam zwar frei, war aber am Ende ruiniert. Denn sie musste für die Verfahrenskosten selbst aufkommen − auch für Massen von Feuerholz, Bergen von Fleisch: "Man hat fürstlich von ihr gelebt", sagte De Gennaro.

Angeschwärzt. In Europa forderte der Hexenwahn 50.000 Opfer, 80 Prozent waren Frauen. Am Schluss gab es nicht einmal mehr ein Halten vor Kindern. Einer der spätesten Fälle von Hexenverbrennung spielte in Schwaigern. Anna-Maria Heinrich wurde 1713 verbrannt.

Exorzismus. Enrico De Gennaro schlug den Bogen von damals zu heute, berichtete über eine Teufelsaustreibung von 1979, die tödlich endete und in ganz Deutschland für Schlagzeilen sorgte. Die Gegenwart ist nicht frei von Unvorstellbarem, berichtete De Gennario: "Es gibt noch heute etwa 300 Exorzismen in Deutschland pro Jahr." Die Ausstellung gibt auch Denkanstöße für moderne Formen der Hexenjagd − bis hin zum Mobbing. De Gennarios Fazit: "Die Menschheit ist nicht besser geworden. Man hat nur neue Wege erfunden."

Heute im Rahmen der Ausstellung: Vortrag "Hexen-Einmaleins" ab 10 Uhr. Am 24. Februar um 20 Uhr spricht Roland Straub über seine Vorfahren, die Scharfrichter waren.

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