Mahnende Töne

Artikel vom 05.02.2012

Mahnende Töne Bernhard Löffler (links), DGB-Regionsvorsitzender Nordwürttemberg, und Referent Franz-Josef Möllenberg.

Rund 200 Gäste hatten sich am Mittwochabend zum Jahresempfang des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Zeag-Gebäude in Heilbronn eingefunden. Nach einem musikalischen Intro der Formation "Homentaschn" begrüßte Silke Ortwein, DGB-Vorsitzende des Stadt- und Landkreises Heilbronn, die Besucher: "Wir sind hier in der Region der Weltmarktführer. Leider bietet die Region aber auch andere Rekorde." Denn im Bereich der Leiharbeiter und Niedriglöhne sei sie ebenfalls führend. Die Hälfte aller Neueinstellungen hätten Leiharbeiter betroffen.

"Neben schlechter Bezahlung und ungünstigen Arbeitszeiten wirkt sich das auch auf das Familienleben der Leiharbeiter aus. Deshalb müssen wir die Region für Arbeitnehmer wieder attraktiver machen." Bevor sie das Mikrofon an Franz-Josef Möllenberg, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten und Referent des Abends übergab, wandte sie sich noch mit einem dringenden Appell an die Besucher. "Wir dürfen den Nazis keinen Platz bieten. Weder in Heilbronn noch sonst irgendwo. Ich bitte Sie, im Alltag Stellung zu beziehen, um Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorzubeugen."

Ein Appell, den Möllenberg unterstützte. "Lassen Sie uns zusammen für bunte, nicht für braune Städte sorgen. Wenn wir den Braunen die Straßen und Betriebe überlassen, dann holt uns die Geschichte ein." In seinem knapp 30-minütigen Vortrag ließ er die Bankenkrise Revue passieren, verglich Deutschland und Zypern, weil beide keinen gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn haben, und wies auf die Wichtigkeit eines vereinten Europas hin. "Selbst in der Ernährungsindustrie ist mittlerweile jeder vierte Arbeitsplatz vom Export abhängig. Deshalb brauchen wir den Rettungsschirm." Und er zeigte die Kehrseite der Medaille − beispielsweise bei der Energiepolitik. "Wir wollten die Energiewende. Aber machen Sie sich darauf gefasst, dass die Energiepreise steigen werden. Auch unser tägliches Brot wird teurer werden, denn das muss gebacken werden. Mit Energie!"

Mahnende Töne Josip Juratovic (links), SPD-Bundestagsabgeordneter, und Klaus Kohler aus Bad Friedrichshall-Duttenberg.
Mahnende Töne Rudolf Luz, IG-Metall Heilbronn-Neckarsulm, Silke Ortwein (Mitte), DGB-Vorsitzende Stadt- und Landkreis Heilbronn, und Marianne Kugler-Wendt, Geschäftsführerin von verdi.
Mahnende Töne Die "Homentaschn" sorgten beim Neujahrsempfang des DGB mit jiddischen Liedern und Klezmer für das musikalische Rahmenprogramm.Fotos: Marc Thorwartl


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