echo·ton des Monats: Wenn ein Tanz Lebensinhalt wird
Artikel vom 28.02.2010
Tobias und Katharina Laux zeigen einen C-Eis. (Foto: Olaf Kubasik)
Tobias Laux (28) ist Erster Vorsitzender der TSG Heilbronn Rock"n"Roll Kangeroos. Auch selbst ist der Schwimmmeister des Steinheimer Wellarium-Freibades noch aktiv. Mit seiner Schwester Katharina (21) tanzt er in der A-Klasse, der höchsten Kategorie des Rock"n"Roll-Sports. Laux" größter Erfolg liegt allerdings schon ein paar Jahre zurück: 2002 wurde er mit seiner damaligen Partnerin Sylvia Kupfer deutscher Vize-Meister (B-Klasse) und war Dritter in der B-Klassen-Weltrangliste. Über seine große Leidenschaft sprach Tobias Laux mit echo-Redakteur Olaf Kubasik.
Ergänzen Sie bitte zuerst diesen Satz: Rock"n"Roll ist für mich...
Tobias Laux: ...mein Lebensinhalt.
Wie sind Sie überhaupt zum Tanzsport gekommen?
Laux: Durch meine Schwester. Die wollte bei einem Wettkampf zuschauen, weil dort eine Bekannte mitgemacht hat. Ich bin dann einfach mitgegangen − und war fasziniert. Am Abend dieses Tages habe ich meine Mutter angeschaut und zu ihr gesagt: Das will ich auch machen! So kam es, dass ich im Alter von zwölf Jahren mit Rock"n"Roll begonnen habe.
Ihre derzeitige Tanzpartnerin ist Ihre Schwester. Ist es von Vorteil, wenn sich ein Paar von Geburt an kennt?
Laux: Das hat sowohl einen Vor- als auch einen Nachteil. Da meine Schwester und ich nebeneinander wohnen, nehmen wir den Trainingsstress mit nach Hause. Das ist der Nachteil. Von Vorteil ist allerdings, dass wir aufgrund der kurzen Wege vor Wettkämpfen schnell zusammen trainieren können.
Sie sind nicht nur aktiver Tänzer, sondern auch Erster Vorsitzender der Rock"n"Roll Kangeroos. Wie viele Stunden pro Woche widmen Sie Ihrem Sport?
Laux: Ich denke von Montag bis Sonntag nur an Rock"n"Roll. Nein, im Ernst: Neben meinem Beruf bestimmt der Sport aber schon mein Leben. Da ist zum einen die Funktionärsarbeit sowie das eigene Training. Und dann trainieren wir ja auch noch den Nachwuchs. Ich kann also ehrlich behaupten, dass dieser Tanz meine gesamte Freizeit in Anspruch nimmt.
Apropos Kangeroos −müsste es richtig nicht Kangaroos heißen?
Laux: Ja, aber der Grafiker, der das Kangeroos-Logo entworfen hat, hatte so seine Probleme mit der englischen Rechtschreibung. Mittlerweile hat sich der Fehler so eingebürgert, dass der falsch geschriebene Name zu einer nicht mehr wegzudenkenden Heilbronner Marke geworden ist.
Rock"n"Roll ist ein akrobatischer Tanz mit spektakulären Hebefiguren und Würfen und darum auch gefährlich. Tanzt bei Ihnen manchmal die Angst mit?
Laux: Nein, weil wir die Sicherheit ganz groß schreiben. Bevor wir zum Beispiel einen Wurfsalto zeigen, haben wir den über Monate mit einer Seilsicherung trainiert.
Ist Ihnen denn noch nie etwas passiert?
Laux: Ich bin komischerweise der, der sich immer mal wieder Muskelfaserrisse im Oberschenkel zuzieht. Ach, und einmal ist mir meine Schwester durchgerutscht und auf den Kopf gefallen. Aber nach einer Nacht im Krankenhaus mit einer Gehirnerschütterung ging es ihr wieder gut.
Obwohl Ihre Sportart so spektakulär ist und die Zuschauer begeistert, hat sie ein Nachwuchsproblem. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Laux: Das größte Problem ist, dass die wenigsten etwas mit Rock"n"Roll anfangen können, eben nicht wissen, dass es bei uns neben Schrittfolgen auf ein hohes Maß an Akrobatik ankommt. Ein weiteres Problem ist die Einstellung männlicher Jugendlicher. Die finden Tanzen einfach völlig uncool. Wir haben auch schon in mehreren Schulen Kurse angeboten, aber die Resonanz war gleich null. Wer etwas über uns, unser Training und unseren Verein erfahren möchte, kann ja ei- nen Blick auf unsere Internetsei- te www. kange roos.de werfen.
Sie lassen sich auch für Betriebsfeste, Familienfeiern und andere Events buchen, versprechen für jeden Anlass das passende Programm. Wie groß ist Ihr tänzerisches Repertoire?
Laux: Wir haben vier Shows in unserem Repertoire, die wir je nach Anlass variieren können. Meine Schwester ist ein richtiges Genie, was die Feinabstimmung angeht. Sie sorgt dafür, dass wir jeden Musikwunsch tänzerisch umsetzen können.
Ihre Tanzkleidung ist bunt, glitzernd und teilweise auch freizügig − vor allem bei den Frauen. Wer sucht bei den Kangeroos die Kostüme aus?
Laux: Wir haben eine Schneiderin in Mannheim, zu der wir hinfahren. Die erfüllt uns jeglichen Kostümwunsch. Aber Strasssteine müssen wir zum Beispiel in mühevoller Handarbeit selbst aufkleben.
Was kostet denn so ein Tanzkostüm?
Laux: Mein letztes Outfit hat 400 Euro gekostet. Viel Geld, aber das zahlen ja Gott sei Dank meine Eltern (lacht).

