echo·ton des Monats: Fasziniert von der Schönheit des Augenblicks

Artikel vom 27.12.2009

Fasziniert von der Schönheit des Augenblicks

Walter Zink (75) ist der bekannteste Feuerwerker in der Region. Seit Jahrzehnten erfreut der Pyrotechniker aus Cleebronn die Menschen mit seinen himmlischen Leuchtkreationen. Im Alter von 14 Jahren trat Walter Zink in die Firma ein, die sein Vater Paul 1949 gegründet hatte. 1980 übernahm er die Geschäftsführung der Zink GmbH. Mittlerweile wird das Unternehmen von seiner Tochter und seinem Schwiegersohn geführt - er selbst arbeitet jedoch immer noch mit. echo-Redakteur Olaf Kubasik unterhielt sich mit Walter Zink über Silvester, das perfekte Feuerwerk und eine Branche, die sich in Deutschland langsam in Luft auflöst.

Ihre Firma genießt in Deutschland mittlerweile Seltenheitswert, da Böller und Raketen fast nur noch in China produziert werden. Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?

Walter Zink: Ganz einfach: Wir sind klein geblieben. Und das hat uns letztlich das Überleben gesichert. Die großen deutschen Hersteller sind nämlich alle verschwunden - weil sie gemeint haben, sie könnten Weltmarktführer werden. China hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für uns gilt das Sprichwort: "Schuster, bleib' bei deinen Leisten".

Pyrotechniker ist ein gefährlicher Job. Hatten Sie nie Angst um Ihre Gesundheit?

Zink: Nein, nie. Wir haben auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Aber Gott sei Dank ist seit mehr als 30 Jahren nichts mehr passiert. Außerdem scheue ich mich, Ammoniumperchlorat als Sauerstofflieferant einzusetzen. Die Chinesen machen das - und dann passieren dort immer wieder dumme Unfälle.

Wie sieht für Sie das perfekte Großfeuerwerk aus?

Zink: Das perfekte Großfeuerwerk wird komplett vom Computer gesteuert und zur Musik abgefeuert. Sowas geht allerdings nur auf speziellen Plätzen. Das Problem dabei: Wenn der Computer spinnt oder irgendetwas schief läuft, dann ist es vorbei mit dem Feuerwerk.

Haben Sie sowas schon erlebt?

Zink: Zum Glück nicht. Aber wir zünden unsere Großfeuerwerke nur selten über den Computer allein. In den meisten Fällen wird bei uns elektrisch oder auch von Hand gezündet.

Hat es Sie eigentlich nie gestört, dass Ihre Kunstwerke nicht von Dauer sind?

Zink: Nein, mich fasziniert die Schönheit des vergänglichen Augenblicks.

Sie sagten bereits vor Jahren, dass es in Ihrer Branche nichts Neues mehr gebe - weil die Chemie ausgereizt sei. Wurden Sie seitdem eines Besseren belehrt?

Zink: Eigentlich nicht. Vielleicht sind noch ein paar kleinere Feuerwerk-Variationen möglich, aber die sieht dann nur das geschulte Auge des Experten. Da das menschliche Auge lediglich die Farben des Regenbogens erkennen kann, ist das farbliche Spektrum begrenzt.

Silvesterraketen werden bei Ihnen in Handarbeit hergestellt. Wie lange dauert es vom ersten Handgriff bis zum Verkauf an der Ladentheke?

Zink: Das kann ich nicht genau sagen. Wenn die Treibsätze fertig sind, geht es eigentlich sehr schnell.

Apropos Silvester: Wird in Ihrer Familie geböllert?

Zink: Ja, hinter unserem Haus zünden wir ein Feuerwerk. Also meine Tochter und mein Schwiegersohn. Ich selbst mache das nicht mehr. Damit wollen wir Cleebronn ein bisschen was zurückgeben.

Jedes Jahr nach der Silvesternacht sind die Krankenhäuser voll von Böller-Opfern. Was raten Sie Hobby-Feuerwerkern und Zuschauern, damit das neue Jahr nicht in der Notaufnahme beginnt?

Zink: Ich bin jedes Mal aufs Neue überrascht, was in der Silvesternacht für ein Blödsinn gemacht wird. Die einen lassen Raketen schräg sausen oder schießen sie in Fenster, die anderen zünden Böller in der Hand. Schuld ist meistens hoher Alkoholkonsum.

Fasziniert von der Schönheit des Augenblicks Walter Zink mit einigen seiner Produkte in der Versandhalle der Cleebronner Zink GmbH: "Wenn die Treibsätze erst einmal fertig sind, dann geht es eigentlich sehr schnell." (Foto: Olaf Kubasik)


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