"Ich bin unkompliziert"

Artikel vom 27.06.2010

Auf dem Berg

Ulrich Bähnk steht in dieser Spielzeit bei den Burgfestspielen Jagsthausen als Götz von Berlichingen im Burghof. echo-Redakteurin Marion Mockler hat sich mit dem 44-jährigen Vater dreier Söhne über Jagsthausen, Sexszenen auf der Bühne und modernes Theater unterhalten.

Sie spielen dieses Jahr das zweite Mal im Burghof. Was macht für Sie Freilichttheater aus?

Ulrich Bähnk: Mir liegt das sehr, draußen zu spielen, den Wind und die Vögel zu hören − und trotzdem immer noch die Konzentration zu halten. Das Schwierigste ist eigentlich der Umgang mit dem Wetter. Dabei ist der Regen lange nicht so schlimm, wie bei gefühlten 35 Grad eine Ritterrüstung zu tragen.

Ist die Titelrolle in Jagsthause etwas Besonderes?

Bähnk: Ich war ja im vergangenen Jahr schon hier, und ich war doch überrascht, dass plötzlich auch beim Bäcker jeder weiß: Der spielt den Götz. Aber ich mache einfach meine Arbeit, und sie macht mir Spaß. Abgesehen davon bin ich ziemlich unkompliziert, liege auch gerne auf dem Sofa und schaue Fußball.

Ihr WM-Tipp?

Bähnk: Beim Tippspiel meines Sohnes habe ich auf Holland gesetzt. Aber ich fürchte fast, es wird wieder so eine Mannschaft wie Italien, die sich bis zum Schluss irgendwie durchmogelt.

Sie wurden ursprünglich von einem anderen Regisseur als Götz engagiert. Wie zufrieden sind Sie mit der Inszenierung, in der Sie jetzt spielen?

Bähnk: Nach dem überraschenden Wechsel war ich natürlich schon erst mal bedient (lacht). Aber nach einem Gespräch mit Heinz Kreidl klang das dann doch alles sehr interessant. Und ich finde, wir haben eine sehr moderne, aktuelle Fassung geschaffen, in der es nicht um Ritterspiele geht, sondern um die Gedanken und Gefühle der Menschen jener Zeit.

Sie sind mit 44 Jahren ein außergewöhnlich junger Götz. Wie reagiert das Publikum?

Bähnk: Goethes Götz ist ja eigentlich über drei Viertel des Stückes in meinem Alter. Die Reaktionen sind positiv, wir haben, denke ich, auch für die Sterbeszene eine wirklich gute Lösung gefunden.

Ihr Lieblingszitat?

Bähnk: Götz sagt zu seiner Schwester Marie: "Es ist besser, du weinst an deinem Hochzeitstage, als dass übergroße Freude der Vorbote künftigen Elends wäre." Das ist bestimmt für nicht wenige Ehen anzuwenden. (lacht)

Wie modern ist Goethes Klassiker heute noch?

Bähnk: Freiheit und Gerechtigkeit sind Themen, die uns durchaus heute auch beschäftigen. Man muss sich eben bemühen, Text und Gedanken frisch zu halten, dann ist man auch aktuell. Im Übrigen fällt in der Inszenierung ja der ganze Schnickschnack weg: Wir tragen meist Lederhosen statt Rüstungen, es hat eher was von einem Italo-Western.

Die Inszenierung enthält zwei relativ eindeutige Sexszenen. Muss sowas sein?

Bähnk: Es wird ständig von Adelheids Sexappeal gesprochen. In dieser Inszenierung wird das auch auf der Bühne angedeutet. Aber die betreffenden Szenen sind doch sehr harmlos... natürlich provoziert man dadurch Reaktionen des Publikums, was aber erlaubt und teilweise nachvollziehbar ist. Zu einer lebendigen Inszenierung gehören eben auch solche Reaktionen.

Wie reagieren die ganz jungen Zuschauer in Schülervorstellungen?

Bähnk: Nun ja, die johlen schon mal. Aber generell gilt: Wenn man Schülern das Gefühl gibt, ich bin wirklich da, ich bin nicht im Fernsehen, ich kann reagieren, wenn du mit Gummibärchen wirfst, dann zieht man sie doch in den Bann.

"Ich bin unkompliziert" "Es hat eher etwas von einem Italo-Western": Ulrich Bähnk als Götz in einer sehr modernen Inszenierung von Goethes Klassiker im Jagsthäuser Burghof. Foto: Thomas Braun


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