Begegnungen mit Gott
Artikel vom 08.01.2012
Stefan Fischer (Foto: privat) ist Jugendpfarrer im katholischen Dekanat Heilbronn-Neckarsulm mit Dienstsitz auf dem Michaelsberg Cleebronn.
"Ich bin Gott noch nicht begegnet", sagt mancher Zeitgenosse und fügt zweifelnd hinzu: "falls es ihn denn überhaupt gibt". Damit steht die zentrale Frage der Menschen im Raum: Wie können wir Gott in unserem Leben erfahren?
Diese Frage stellt sich heute umso drängender, da viele Zeitgenossen in der Glaubens- und Gottesfrage entweder gleichgültig sind oder ihnen alles Religiöse gleich gültig ist. Wie anders ist da die Einstellung der Drei Weisen aus dem Morgenland, von denen das Matthäus-Evangelium in seinem zweiten Kapitel berichtet: Sie orientieren sich am Himmel, deuten seine Zeichen, sie fragen und suchen und machen sich auf den Weg. So finden sie schließlich Gott in ganz überraschender Gestalt: als Kind, in einer Krippe, in Bethlehem. Es ist auffallend: Ihre Gottesbegegnung steht nicht am Beginn, sondern erst am Ende ihres Weges. Sie bringen auf ihrer Suche den Mut und das Vertrauen mit, sich auf ihrem Lebensweg auf Erfahrungen mit Gott einzulassen. Ohne diese Bereitschaft und ohne diese Offenheit wäre ihnen die Begegnung mit Gott im Stall von Bethlehem vielleicht versagt geblieben.
Wie für alle unsere Lebensbereiche gilt erst recht in Fragen des Glaubens: Wer sitzen bleibt, wer sich nicht aufmacht, kann keine Erfahrungen sammeln. Deshalb beeindrucken mich auch Jahr für Jahr die Kinder und Jugendlichen, die sich als Sternsinger auf den Weg machen. Als Heilige Drei Könige gekleidet bringen sie den Segen "Christus segne dieses Haus" in die Häuser und sammeln für Not leidende Kinder in aller Welt. Doch das ist nur die eine Seite ihres Tuns. Wichtiger scheint mir, dass sie am Ende mit müden, aber leuchtenden Augen berichten können: "Es ist ein Weg, der sich lohnt. Ein Weg mit vielen Begegnungen − auch mit Gott."

