Warum nicht mal ganz anders schenken?
Artikel vom 11.12.2011
Herbert Schauerbeck (Foto: privat) ist Mitarbeiter der Caritas Heilbronn-Hohenlohe.
Für viele ist zunehmend nicht mehr die Schuldenkrise die drängendste Frage, sondern: Was schenke ich zum Fest? Parole: Weihnachten wird unterm Baum entschieden. Wir stehen unter Entscheidungsdruck angesichts voller Läden und großer Erwartungen. Spielzeug, Schmuck, Lifestyle-Accessoires? Es darf auch ruhig etwas kosten. Wir haben die Qual der Wahl angesichts zu Beschenkender, die vermeintlich schon alles haben.
"Die Kunst des Schenkens", so der englische Schriftsteller A. A. Milne, "liegt darin, einem Menschen etwas zu geben, was er sich nicht kaufen kann". Zeit ist so ein wertvolles Gut. Nicht nur zu Weihnachten. Wir können Zeit schenken, Stunden der Zuwendung, des Zuhörens, des Redens, Tuns, Helfens. Das fängt im Kleinen an. Statt elektronisch aufgeladener Kinderzimmer gemeinsam gestaltete Freizeit. Öfter was mit den Großeltern unternehmen. Der sehbehinderten Nachbarin vorlesen. Oder Zeit schenken über das Umfeld hinaus, so wie die Frauen, die im Familienbüro Neckarsulm ausländischen Frauen in Sprachpartnerschaften helfen. Oder wie die Bildungspaten für sozial benachteiligte Kinder in Gundelsheim. Wenn es uns gelingen sollte, mehr von uns zu schenken, verlieren materielle Werte an Bedeutung. Eingespartes Geld könnte dann jenen zu gute kommen, denen es an materiellen Lebensgrundlagen mangelt.

