Ein Jahr, gut für drei
Artikel vom 22.01.2012
Karl Friedrich Bretz (Foto: privat) ist Geschäftsführer des Diakonischen Werks Heilbronn.
2011 war ein Jahr, das für drei gereicht hätte: Die "Arabellion", der Tsunami in Japan und damit die endgültige Energiewende, die Eurokrise − so viele Großereignisse in so kurzer Zeit gab es selten.
Es war spannend, Nachrichten zu schauen oder Zeitung zu lesen. Viele Dinge könnten sich zum Besseren wenden, fast wie in der Zeit nach 1989. Wir freuen uns über jeden Diktator, der von seinem Volk abgeschüttelt wurde. Wir denken aber auch an die Opfer von Willkür und Naturkatastrophen.
In das Mitgefühl für die Opfer mischt sich die Dankbarkeit dafür, dass wir in Deutschland von so vielem verschont geblieben sind und wirtschaftlich so gut dastehen wie lange nicht mehr.
Die Veränderungen, die 2011 gebracht hat, begleiten uns noch 2012 und darüber hinaus: Wohin entwickeln sich die arabischen Länder? Wann endet das Sterben in Syrien? Wann sind wir in der Eurokrise über den Berg?
Nach vielen, vielen Nachrichten über neue Krisenbewältigungsstrategien, Rettungsfonds und immer wieder neue Schuldenberge überfiel mich irgendwann Hoffnungslosigkeit: Warum soll ich mir das jeden Tag anhören? An der Verschuldung der EU-Länder kann ich rein gar nichts ändern, in Syrien können wir alle nur zuschauen, allenfalls für die Opfer beten.
Im Alltag habe ich ganz andere Sorgen, die in keiner Zeitung stehen. Gott will auch gar nicht, dass ich die Europäische Union oder gleich die ganze Welt rette, weder alleine noch zusammen mit der ganzen Diakonie.
Wir können nur an der Stelle, wo wir stehen, unser Bestes geben; dem einzelnen Menschen in Not helfen, selbst aufrichtige Menschen bleiben. Vor Gott haben die Dinge, die der vermeintlich Große tut, keinen größeren Stellenwert als das, was ein im öffentlichen Urteil "Kleiner" mit seiner Kraft erreicht hat.
Unseren Teil zu tun, dafür gibt Gott uns Kraft. Und viel Klein gibt auch ein Groß. Das macht mir Mut fürs neue Jahr. Auch Ihnen wünsche ich ein gutes Jahr 2012 und Kraft und Mut für Ihren kleinen-großen Auftrag im Leben.

