Helden des Alltags
Artikel vom 17.02.2013
Rainer Hinderer (Foto: privat) ist Vorstand der Stiftung für Berufliche Bildung und Ausbildung der Diakonischen Jugendhilfe Heilbronn.
In den Wochen vor und nach dem Jahreswechsel finden allerorts Winterfeiern, Neujahrs- und Bürgerempfänge statt. Vereine und Organisationen ehren und würdigen dabei besonders aktive oder erfolgreiche Mitglieder und ehrenamtlich Engagierte. Das ist gut, denn dieses Engagement bereichert unser Zusammenleben. Das vielfältige bürgerschaftliche Wirken verdient es, ins Licht der Öffentlichkeit gerückt zu werden. Viel segensreiches Tun findet aber auch im Verborgenen statt.
Gänzlich ohne öffentliche Aufmerksamkeit sichern zum Beispiel Ehrenamtliche die Öffnungszeiten im Erfrierungsschutz der Aufbaugilde Heilbronn. Kürzlich durfte ich während eines Nachtdienstes einen Eindruck von dieser Arbeit gewinnen: Da kommen Freiwillige nach ihrer täglichen Arbeit in ein Haus, das Wohnungslosen einen Schutz vor Kälte, Regen oder Schnee bietet. In einfachster Umgebung verbringen sie die Nacht mit den Randfiguren unserer Wohlstandsgesellschaft. Nach Einbruch der Dunkelheit kommen frierende, durchnässte, zum Teil betrunkene und äußerlich nicht besonders ansprechende Menschen, um in einem einfachen Lager zu nächtigen.
Am nächsten Morgen ziehen sie weiter − zurück auf die Straße oder vielleicht in die Tagesstätte für Wohnungslose. Manchmal gibt es von ihnen ein kurzes "Danke" als einzige Anerkennung für den ehrenamtlich geleisteten Nachtdienst, den viele mehrmals im Monat erbringen.
Die Mitarbeitenden kehren dann auch wieder zurück in ihren bürgerlichen Alltag. Diesen Helfern gebührt größter Respekt und Anerkennung. Sie sind Helden des Alltags. Ihr selbstloses Handeln für die Ärmsten und Elendsten in unserer Stadt ist beispielhaft − auch in der Nachfolge Jesu, der sagt: "was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan" (Mt. 25,40).


