Besonderes Erlebnis
Artikel vom 04.01.2012
Tradition. Seit Jahrhunderten gibt es in Künzelsau an Heiligabend, zu Silvester und zum Jahresbeginn das Engelesblasen. Auch in diesem Jahr wollten die Kreisstädter darauf nicht verzichten. Und das mussten sie auch nicht, denn die Bläser und Laternenschwinger sorgten hoch oben auf dem Turm der Johanneskirche wieder für stimmungsvolle Momente.
Neujahr. Es ist ein beschwerlicher Weg für die Bläser und Laternenschwinger. An Neujahr müssen sie zum dritten Mal innerhalb weniger Tage die 151 Stufen, die zum 47 Meter hohen Kirchturm führen, bewältigen. Klaus Ziegler, Chef der Bläsergruppe, ist mit seinen 70 Jahren der Älteste der Gruppe und seit Jahrzehnten dabei. Er ist als Erster in der Turmstube, um sich die Noten zurechtzulegen. Sein Enkel, der 17-jährige Florian Ziegler, greift als Jüngster unter den Musikern zum Instrument. Er spielt mit der Tuba von Ehrenmitglied Erich Landwehr, der auf dieser über 70 Jahre lang musizierte.
Höhepunkt. Tina Karle ist seit fünf Jahre dabei. Sie spielt Trompete − und in der Stadtkapelle Klarinette: "Es ist für mich immer ein besonderes Erlebnis", sagt die 21-Jährige mit einem Lächeln. Auch Klaus Ziegler kann sich ein Neujahr ohne Engelesblasen nicht vorstellen. In der Stube ist es inzwischen eng geworden, alle Bläser haben die 151 Stufen bezwungen. Klaus Ziegler drängt zur Eile. Die Instrumente werden gestimmt, die alten Weisen "Lobet den Herrn" und "Nun danket alle Gott" kurz angespielt. Im Vorraum hat Klaus Ottenbacher derweil mit seinen Engelschwingern die Laternen angezündet. Ottenbacher war 14, als er von seiner Mutter die Laterne übernahm. "Ich habe in 57 Jahren nicht einmal gefehlt", erzählt der heute 71-Jährige
Gedenken. Die Veranstaltung ist ein Treffpunkt für alle Künzelsauer. Ein Anlass, bei dem auch derer gedacht wird, die schon gestorben sind. "Ohne das Engelesblasen gibt es bei uns keine Weihnachten und Silvester", sagt zum Beispiel Eckart Müller. Beim Klang der Kirchenglocke eilen die Musiker und die Laternenschwenker dann ins Freie. Hunderte Zuhörer recken ihre Köpfe und schauen nach oben. Sie sind trotz des Regens gekommen und genießen eine der ältesten Traditionen, die Künzelsau zu bieten hat.
Schöne Klänge. Neben dem musikalischen Genuss bekommen die Zuhörer die an Seilen befestigten, brennenden Laternen zu sehen. Schön und laut singt Gaby Werner mit ihrem Mann Stefan unten vor der Johanneskirche das Lied "Lobet den Herrn" mit. Gaby Werner: "Schon als Baby bin ich mit meinen Eltern beim Engelesblasen dabei gewesen."
Einige der Bläser, die in der Hohenloher Kreisstadt am 1. Januar das neue Jahr musikalisch begrüßten (von links): Daniel Nied, Johannes Lang, Florian Ziegler, mit 17 Jahren der jüngste Musiker, und sein Großvater Klaus Ziegler, der mit einem Alter von 70 Jahren der Älteste unter den Musikern war.Fotos: Kurt Gesper
Karin Kaplan (links) aus Künzelsau, der stellvertretende Bürgermeister Karl Wunderlich, Lotta Mertens (11) aus Künzelsau und Verena Sanders, ebenfalls aus Künzelsau.
Die Künzelsauer Ute und Siegfried Lutz lauschen der Musik.
Annerose Härterich (von links) aus Kupferzell-Rüblingen, Brigitte Grombach aus Künzelsau-Morsbach und Waltraud Binder aus Kupferzell.
Seit vielen Jahren dabei: Renate und Günther Keppner aus Künzelsau.
Marko Möhler (13, links) und Benjamin Frank (13) aus Künzelsau.
Familientreff beim Engelesblasen: Eckhard Müller mit seinem Sohn Stefan, Schwiegertochter Daniela und den Enkelkindern Marcel (6) und Vanessa (10), alle aus Künzelsau.

