Subjektives Empfinden
Artikel vom 18.01.2012
Der aktuelle Mordfall bringt Heilbronn mit negativen Schlagzeilen in Verbindung.
Medienpräsenz ist für eine Stadt wichtig, um auch über die eigenen Grenzen hinaus wahrgenommen zu werden. Heilbronn hat es in der Vergangenheit schon öfter in die bundesweiten Schlagzeilen geschafft. Zuletzt richtete sich der Fokus der breiten Öffentlichkeit allerdings wegen negativer Meldungen auf die Käthchenstadt. Ob Polizistenmord, Beziehungstat oder aktuell der Fall des 62-Jährigen Libanesen, der am vergangenen Samstag von einer 36-Jährigen Frau auf offener Straße erschossen wurde. Wenige Tage danach erinnert rund um den Tatort nichts mehr an das Ereignis. Was bleibt sind zahlreiche Schlagzeilen.
Bekommt Heilbronn durch solche Nachrichten ein Image-Problem? Mehmet Kilic aus Heilbronn könnte es schon verstehen, wenn es Leute gibt, die nicht so gerne in die Stadt kommen: "Ich würde auch nicht gerne in eine Stadt fahren, in der solche schrecklichen Dinge passieren." Die Menschen in der gesamten Region machen sich Gedanken über die Folgen solcher Taten. Auch Dieter Hohl aus Bad Friedrichshall sagt: "Ich denke schon, dass es ein schlechtes Licht auf die Stadt wirft."
Bedenken, die Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach so nicht teilt. Er ist der Meinung, man müsse immer zwischen Heilbronn als Tatort und Heilbronn als Stadt differenzieren: "Ein einzelnes Verbrechen allein kann das Image einer Großstadt schwerlich ernsthaft beschädigen." Positiv sei an dieser Stelle erwähnt, dass es insgesamt relativ wenige Straftaten in Heilbronn gebe. Himmelsbach verweist auf eine Statistik, laut der Heilbronn seit Jahren die sicherste Großstadt Baden-Württembergs und eine der sichersten Großstädte Deutschlands ist. "Solche Zahlen wirken sogar imagebildend."
Eine Tatsache, die auch Rainer Köller, Pressesprecher der Polizei Heilbronn, bestätigen kann. Allerdings mit einer Einschränkung: "Wenn etwas passiert, ist es meist gleich sehr drastisch." In der Tat, seien zwei Schießereien in so kurzer Zeit hintereinander durchaus "keine alltäglichen Geschichten".
Schon 2010 konnte nach Polizeiangaben bei den Tötungsdelikten, also der Anzahl der versuchten und vollendeten Delikte gegen das Leben, ein Anstieg von sechs (2009) auf 14 Fällen im Stadt- und Landkreis beobachtet werden. Und die Statistik von 2011 liest sich auch nicht besser: Insgesamt kam es zu 18 Tötungsdelikten. "Wir hatten in Stadt- und Landkreis je neun Delikte", sagt Köller. Für die Stadt bedeutet das ein Anstieg von vier auf neun "Straftaten gegen das Leben". Daher sei es verständlich, wenn sich eine gewisse Unsicherheit in der Bevölkerung breit mache. Köller: "Nach den letzten Vorkommnissen ist es nachvollziehbar, dass das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen schwindet."

