Hochherrschaftlich
Artikel vom 01.02.2012
Sind gespannt auf das Innere des Öhringer Schlosses: Ruth Prochazka, Anna (9) und Holm Böttcher.Fotos: Stefanie Pfäffle
Ansturm. Von dem Ansturm auf die allererste Schlossführung ihres Lebens ist Stadtführerin Brigitte Hoffmann dann doch überwältigt: "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich meinen Stimmverstärker mitgenommen." Aber in den ruhigen Räumen des Öhringer Schlosses reicht ihre Stimme vollkommen aus. 17 Besucher hatten sich angemeldet, weit über 40 waren am Sonntag in den Schlosshof gekommen, um dank des Angebots der Volkshochschule Öhringen einen Blick ins Innere des ehemaligen Sitzes der Familie von Hohenlohe zu werfen.
Anregungen. Dazu gehört auch Familie Ebert aus Obersulm-Willsbach, die nur wenige Stunden zuvor von der Veranstaltung im echo gelesen hat. "Wir schauen da sonntags immer sehr gerne rein, um Anregungen für einen Ausflug zu bekommen", erzählt Margit Ebert. Außer beim Weihnachtsmarkt, der teilweise ebenfalls im Schloss stattfindet, waren sie noch nie im Inneren des herrschaftlichen Gebäudes.
Teuer. Dabei sind Teile davon eigentlich recht leicht zugänglich. 1961 hatte August zu Hohenlohe-Oehringen das Schloss an die Stadt verkauft. "Mit einem weinenden Auge", wie Brigitte Hoffmann berichtet. Und das nicht nur ob des Schnäppchenpreises von gerade einmal 1,5 Millionen Mark. Doch zu teuer war der Unterhalt von Schloss, Hofgarten und Theatergebäude geworden. Seit 1978 ist der als Witwensitz von Magdalene begonnene Bau das Rathaus der Stadt.
Kostbar. Die Rathaus-Mitarbeiter weilen denn auch wirklich in herrschaftlichen Räumen: etwa das Bauamt, das die ehemalige Bibliothek im zweiten Stock in der Remise belegt. Einst standen hier um die 3.000 Bücher. Dieser Raum wurde als letztes saniert. Die Wände sind in kostbarem Malachitgrün gestrichen, dazu kommen Stuck und Blattgold.
Trauzimmer. Das Landschaftszimmer ist das Trauzimmer der Stadt. Hier hat Johann Jakob Schillinger die Tapeten mit Ruinen und Tempeln bemalt. "Er beherrschte vor allem die Perspektive sehr gut", weist Hoffmann auf eine Besonderheit hin. In der Beletage mit weißem und blauem Saal arbeitet Oberbürgermeister Thilo Michler. Vorher hatte sich hier ein Arzt eingemietet. "Was vor 1945 hier stattfand, ist schwer zu sagen." Zum Abschluss landet die Gruppe noch im weitläufigen Keller.
Haben im echo von der Führung gelesen: Margit, Jessamyn (8) und Siegfried Ebert aus Obersulm-Willsbach.

