Die arme Gemeinde

Michael Schwarz  | Artikel vom 07.12.2011

Ziemlich farbenfroh

"Wenn der Bürgermeister seine Pflicht tut, werden kaum vier da sein, die ihn mögen", sagte einst Martin Luther. Ja, sie haben es nicht leicht, die Rathauschefs. Dabei sind die meisten von ihnen quasi Tag und Nacht im Amt. Bis auf einen Vertreter der Zunft in der Schwarzwaldgemeinde Rickenbach. Dort wurde 2007 ein neuer Bürgermeister gewählt. Norbert Moosmann heißt er. Eine Entscheidung mit Folgen. Im Sommer diesen Jahres kam es zu einem mysteriösen Anschlag auf den neuen Hoffnungsträger. Jemand warf ihm eine Molotow-Cocktail-Attrappe ins Büro. Komisch war: Das Fenster stand offen, und eine Person stieg aus einem vor dem Rathaus geparkten Auto, das auf Moosmann angemeldet war. Als dieser flüchten wollte, soll auch noch jemand heimlich mit einem Holzkeil die Tür verriegelt haben. Die Staatsanwälte ermitteln jedenfalls, ob das alles stimmen kann. Moosmann begab sich daraufhin in den Krankenstand. Bis heute. Vor wenigen Tagen ging übrigens ein Brief im Rathaus ein. Inhalt: eine weitere Krankmeldung Moosmanns. Sie gilt bis März 2012. Da stehen sie nun, die Rickenbacher. Ratlos, führungslos und mit einem dicken Hals. Die Wahl ihres Gemeindeoberhauptes würden sie am liebsten wieder rückgängig machen. Um wieder auf Luther zurückzukommen: Wenn der Bürgermeister seine Pflicht nicht tut, mag ihn am Ende überhaupt niemand...


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